Hessens Top-Athlet:innen reisen mit Titel- und WM-Ambitionen nach Dortmund

  26.02.2026
Für Hessen verspricht das Wochenende in Dortmund ein besonders bedeutsames zu werden, denn die Deutschen Hallenmeisterschaften sind in diesem Jahr mehr als nur ein nationaler Titelkampf. Sie sind die letzte große Möglichkeit, sich für die Hallenweltmeisterschaften vom 20. bis 22. März 2026 in Toruń (Polen) zu empfehlen oder eine bereits erfüllte Norm zu bestätigen. Aus Hessen sind dabei gleich mehrere Athlet:innen im Rennen, die unmittelbar an der WM-Qualifikation schnuppern.

Frauen

Das größte Gold- und WM-Versprechen kommt von Nele Weßel (Königsteiner LV). Die WM-Finalistin reist als Jahresbeste über 1.500 Meter an und hat die Hallen-WM-Norm (4:06,00 min) bereits souverän mit 4:05,47 Minuten beim Karlsruher Indoor Meeting erfüllt. Ihr Ticket nach Toruń ist damit so gut wie gebucht. Im Duell mit Titelverteidigerin Majtie Kolberg wird es auf Taktik und Endspurt ankommen. Da Weßel zusätzlich auch über 3.000 Meter starten will, könnte die Doppelbelastung am Sonntag eine Rolle spielen, doch gerade diese Herausforderung dürfte die ehrgeizige Läuferin zusätzlich motivieren. Auch über 3.000 Meter ist sie ohne Saisonbestzeit eine stille Gefahr für die Konkurrenz.

Auch kämpft Sarah Köcher (Königsteiner LV, 4:30,04 min) um eine gute Leistung auf nationalem Top-Niveau. Und mit Pauline Kleesiek (LAV Kassel, 1500m, 4:27,14 min) und das erst 17-jährige Ausnahmetalent Amelie Tortell (TSV 1885 Friedberg-Fauerbach, 4:29,38 min) hat Hessen zwei Kandidatinnen über die 1.500m, die beide Potenzial für eine Überraschung mitbringen.

Vanessa Grimm (Königsteiner LV) wird im Kugelstoßen (15,19 m) an den Start gehen. Grimm ist als Siebenkämpferin keine Unbekannte auf der großen Bühne: Bei den Weltmeisterschaften in Tokio im vergangenen Jahr stand sie im Mehrkampf-Wettbewerb, musste ihren Siebenkampf jedoch verletzungsbedingt vorzeitig beenden. Dass sie nun in Dortmund im Kugelstoßen antritt, ist ein klares Zeichen ihrer Rückkehr und ein erster Schritt zurück in Richtung der großen internationalen Bühne.

Beim Sprint stellt das Sprintteam Wetzlar eine starke hessische Athletin: Rebekka Haase, WM-Bronzemedaillengewinnerin und mit 7,23 Sekunden gehört sie zu den Favoritinnen auf eine Medaille über 60 Meter. Die Norm für die Hallen-WM liegt bei 7,20 Sekunden, sie ist in greifbarer Nähe. Vereinskollegin Chelsea Kadiri (7,33 sec) komplettiert das Wetzlarer Aufgebot im Sprint.

Bei den 60 Meter Hürden mischt Eintracht Frankfurt mit Lilly Müller (8,40 sec) und dem jungen Talent Sara Hamin (8,53 sec) gleich mit zwei Athletinnen mit.

Über 800 Meter geht Smilla Kolbe (Eintracht Frankfurt) als klare Favoritin ins Rennen. Die Deutsche Freiluft-Meisterin hat mit 2:01,75 Minuten einem Vorsprung auf die Konkurrenz. Die Hallen-WM-Norm liegt bei 2:00,90 Minuten, sie ist in Reichweite, doch dafür müsste Kolbe eine neue Bestleistung abrufen. Ein DM-Titel wäre zunächst das große Ziel, die WM-Norm die Krönung. Ebenfalls über 800 Meter dabei sind Lara Tortell (Athletics Team Karben, 2:06,71 min) und Sophia Volkmer (TV Wetzlar, 2:08,07 min).

Traurige Randnotiz: Jana Becker (Königsteiner LV), die amtierende Hallen-DM-Siegerin über 800 Meter, muss wegen Fußproblemen auf Starts verzichten. Die 19-Jährige reist dennoch nach Dortmund, um dort den Preis als „Jugend-Leichtathletin des Jahres 2025" entgegenzunehmen.

Im Weitsprung ist Finja Köchling (Eintracht Frankfurt, 6,25 m) eine Athletin, die es zu beobachten gilt: Mit 6,25 Metern hat die Frankfurterin in dieser Saison bereits eine starke Weite vorgelegt und will sich in Dortmund weiter nach vorne arbeiten.

Im Stabhochsprung ist Sarah Vogel (Eintracht Frankfurt, 4,12 m) nach ihrer Rückkehr eine Athletin, die es zu beobachten gilt.

Und bei den 3.000 Metern der Frauen geht Rahel Brömmel (Athletics Team Karben, 9:21,43 min) an den Start, die Karbenerin, die in den USA studiert und trainiert, wo sie sich im harten College-Betrieb regelmäßig gegen starke internationale Konkurrenz behauptet.


Männer

Das hessische Sprint-Highlight liefert das Sprintteam Wetzlar gleich doppelt. Kevin Kranz reist mit der bereits erfüllten Hallen-WM-Norm an: Seine 6,59 Sekunden, gelaufen bei den hessischen Meisterschaften in der Leichtathletikhalle Frankfurt-Kalbach, entsprechen exakt der WM-Norm. Sein Ticket nach Toruń ist somit so gut wie gebucht. In Dortmund geht es für den Deutschen Rekordhalter (6,52 sec) über 60 Meter nun darum, diese Leistung zu bestätigen und sich im Kampf um DM-Gold gegen Topfavorit Owen Ansah (Hamburger SV, 6,55 sec) zu behaupten. Noch spannender wird die WM-Frage bei seinem Vereinskollegen Heiko Gussmann. Der 21-jährige Wetzlarer, ebenfalls in der Leichtathletikhalle Frankfurt-Kalbach auf 6,62 Sekunden gelaufen, liegt noch drei Hundertstel über der WM-Norm. In Dortmund hat er die Chance, diesen entscheidenden Schritt zu machen und das bei einem Rennen auf allerhöchstem nationalen Niveau. Ein starkes Finale könnte ihn direkt nach Toruń bringen.

Ein weiterer Hesse mit Ambitionen auf einen Startplatz im Finale ist Elias Maurer vom TSV Amicitia Viernheim: Mit 6,84 Sekunden über 60 Meter gehört der Viernheimer zu den Athleten, die im Vorlauf für eine Überraschung sorgen könnten. Jakob Möbius (Wiesbadener LV) komplettiert das hessische Sprint-Aufgebot über 60 Meter mit 6,85 Sekunden, ein Sprinter, der im starken Feld auf seine Chance im Vorlauf lauert. 

Über die 60 Meter Hürden mischt Fred Isaac Fleurisson (Eintracht Frankfurt, 7,80 sec) an vorderster Front mit. Der Zehnkämpfer hat sich in diesem Winter stark verbessert und läuft konstant unter 7,90 Sekunden, in einem Feld ohne die verletzten Topfavoriten ist eine Medaille durchaus möglich. Aaron Giurgian (Sprintteam Wetzlar) geht ebenfalls über die 60 Meter Hürden an den Start: Mit 7,93 Sekunden zählt er zum Kreis der Finalkandidaten. Die WM-Norm (7,65 sec) liegt zwar noch entfernt, doch das Rennen ist in diesem Jahr besonders offen. Ebenfalls über die Hürden dabei: Jeremy Mc Queen (TSG Wehrheim, 8,11 sec) und Martin Kratz (TV Gelnhausen, 8,47 sec). 

Über 1.500 Meter schickt Hessen Marvin Heinrich (Eintracht Frankfurt, 3:39,93 min) mit Medaillenambitionen ins Rennen. Die WM-Norm (3:36,00 min) liegt noch ein gutes Stück entfernt, doch ein starker Auftritt beim DM-Finale wäre ein wichtiges Signal für die Sommersaison. Ihm zur Seite stehen gleich drei weitere hessische Läufer, die alle dem Königsteiner LV angehören: Christoph Schrick (3:42,94 min), Jan Dillemuth (3:43,12 min) sowie Louis Buschbeck (3:46,49 min). Der Königsteiner LV schickt damit ein ganzes Mittelstreckenbataillon nach Dortmund. Auch Sebastian Hauf vom SSC Hanau-Rodenbach (3:45,50 min) wird über die 1.500 Meter am Start sein.

Über 3.000 Meter geht das hessische Aufgebot ebenfalls in beachtlicher Stärke an den Start. Christoph Schrick (Königsteiner LV, 7:59,28 min) ist auch auf dieser Distanz gemeldet, ebenso Marc Tortell (Athletics Team Karben, 8:01,70 min) und Sebastian Hauf (SSC Hanau-Rodenbach, 8:05,82 min). Ein weiteres Highlight ist das junge Talent Tristan Kaufhold (SSC Hanau-Rodenbach, 8:06,07 min, Jg. 2006), der 19-Jährige zählt zu den spannendsten hessischen Nachwuchsläufern und könnte in einem offenen Rennen für eine Überraschung sorgen.

Bei den 800 Metern der Männer sind gleich drei weitere Hessen am Start: Tom Stöber (TV Wetzlar, 1:50,86 min) und die beiden Königsteiner Elija Ziem (1:51,62 min) und Robert Rutz (1:51,91 min). Alle drei haben realistische Chancen auf eine Finalplatzierung und zeigen eindrucksvoll, wie groß die hessische Mittelstreckenfamilie in diesem Winter gewachsen ist.

Im Hochsprung geht Benjamin Gang (LG VfL/SSG Bensheim, 2,08 m) an den Start, mit der Mindesthöhe für die Teilnahme, aber in einem offenen Wettbewerb immer für eine Überraschung gut. Im Stabhochsprung stellt Eintracht Frankfurt mit Amadeus Gräber (5,15 m) einen weiteren Athleten, der Erfahrung auf nationalem Niveau sammeln möchte.

Und im Dreisprung repräsentiert Henning Judt (Wiesbadener LV, 14,57 m) Hessen, der Wiesbadener ist Außenseiter, aber mit 14,57 Metern klar im Finalbereich.

Nicht zu vergessen: Im 4x200-Meter-Staffelwettbewerb gehen gleich mehrere hessische Teams an den Start. Eintracht Frankfurt schickt sogar zwei Staffeln ins Rennen, dazu kommt der TSV 1885 Friedberg-Fauerbach. Beide Teams wollen sich in der Staffelwertung in Szene setzen.



Den Zeitplan und alle weiteren Infos gibt es auf leichtathletik.de

 

LB