Auf dem Weg nach Birmingham: Hessens Leichtathletik-Elite kämpft in Bochum und Hannover um die EM-Tickets

  21.07.2026    Deutsche Meisterschaften Wettkampfsport Leistungssport EM
Vom 24. bis 26. Juli 2026 steht im modernisierten Lohrheidestadion in Bochum-Wattenscheid die 126. Auflage der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften an. Die nach Hannover ausgelagerten Stabhochsprung-Wettbewerbe werden bereits am 23./24. Juli im Rahmen der „Finals 2026" auf dem Opernplatz ausgetragen. Für den hessischen Leichtathletik-Verband ist die DM in diesem Jahr mehr als nur der sportliche Saisonhöhepunkt: Sie ist zugleich die letzte große Standortbestimmung vor den Leichtathletik-Europameisterschaften vom 10. bis 16. August in Birmingham. Wer in Bochum oder Hannover überzeugt oder bereits jetzt eine EM-Norm in der Tasche hat, darf sich Hoffnungen auf die Fahrt nach England machen. Mit insgesamt vielen hessischen Einzelmeldungen für Bochum sowie drei weiteren Meldungen für den nach Hannover ausgelagerten Stabhochsprung gehen fast 100 Einzelathlet:innen aus Vereinen in Hessen an den Start. Das Meldefeld setzt sich aus Athlet:innen zahlreicher hessischer Vereine zusammen. Insgesamt sind rund 25 verschiedene Vereine aus Hessen mit mindestens einer Einzelmeldung vertreten.

Frauen: Auf Titeljagd und EM-Kurs

Bei den Frauen führt an Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar) im Sprint kein Weg vorbei. Mit 11,04 Sekunden über 100 Meter gehört sie zu den schnellsten Athletinnen des gesamten Teilnehmerfeldes und hat die EM-Direktnorm bereits deutlich unterboten. Auch Chelsea Kadiri (Sprintteam Wetzlar), die ebenfalls bereits die EM-Norm erfüllt hat, sowie Holly Okuku (GSV Eintracht Baunatal; über 100 Meter und 200 Meter) sorgen für starke hessische Präsenz auf den Kurzstrecken.

Über 800 Meter ist Smilla Kolbe (Eintracht Frankfurt) mit 1:58,99 Minuten die schnellste Hessin und ebenfalls bereits für die Europameisterschaften normberechtigt. Dahinter folgen Jana Marie Becker (Königsteiner LV, 2:00,20 Minuten), der nur noch wenige Zehntelsekunden zur Norm fehlen, sowie Lara Tortell (Athletics Team Karben). Über 1.500 Meter führt Nele Weßel (Königsteiner LV, 4:13,63 Minuten) das hessische Aufgebot an, über 5.000 Meter ist Carolina Schäfer (TG Schwalbach) die stärkste hessische Starterin.

Besonders vielseitig präsentiert sich Siebenkämpferin Vanessa Grimm (Königsteiner LV). Sie geht in Bochum sowohl über 100 Meter Hürden (13,39 Sekunden) als auch im Kugelstoßen (15,63 Meter) an den Start. Beide Einzelstarts stehen dabei vor allem im Zusammenhang mit ihrer eigentlichen Paradedisziplin: Im Siebenkampf hat Grimm mit 6.381 Punkten die EM-Norm von 6.320 Punkten bereits übertroffen. Die offizielle Nominierung steht zwar noch aus, gilt angesichts der erfüllten Norm jedoch als sehr wahrscheinlich.

Über 400 Meter Hürden gehört Eileen Demes (TV 1861 Neu-Isenburg) mit 54,91 Sekunden zu den Favoritinnen. Die Deutsche Meisterin hat die EM-Direktnorm bereits sicher erfüllt und sammelte im vergangenen Jahr bei den Weltmeisterschaften in Tokio internationale Erfahrung. Mit Yasmin Amaadacho (Frankfurt Athletics) steht eine weitere starke Hessin im Teilnehmerfeld. 

Traditionell stark präsentiert sich Hessen zudem in den Wurfdisziplinen. Leia Braunagel (Eintracht Frankfurt) reist mit 64,96 Metern im Diskuswurf an, Aileen Kuhn (Eintracht Frankfurt) mit 72,11 Metern im Hammerwurf und Jana Marie Lowka (Eintracht Frankfurt) mit 56,74 Metern im Speerwurf. Während Braunagel und Kuhn die EM-Norm bereits sicher erfüllt haben, zählt auch Lowka zu den aussichtsreichen Teilnehmerinnen ihres Wettbewerbs.

Auch im Weitsprung der Frauen ist Hessen aussichtsreich vertreten: Finja Köchling (Eintracht Frankfurt) reist als Drittplatzierte der Meldeliste nach Bochum und zählt damit zum erweiterten Kreis der Medaillenkandidatinnen.

 

Männer: Von der Sprintbahn bis in den Wurfring

Auch bei den Männern verteilt sich die hessische Hoffnung auf zahlreiche Disziplinen.

Im Sprint bilden Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar, 10,19 Sekunden) und Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar, 10,20 Sekunden) ein starkes Duo über 100 Meter. Hinzu kommt Lars Hieronymi (TSV 1885 Friedberg-Fauerbach), der sowohl über 100 als auch über 200 Meter gemeldet ist. Über die Stadionrunde bringt Finn Kohlenbach (Frankfurt Athletics) mit 47,58 Sekunden die schnellste hessische Meldeleistung mit.

Besonders breit aufgestellt ist Hessen auf den Mittelstrecken. Allein über 800 Meter gehen neun hessische Athleten an den Start. Angeführt wird das Feld von Louis Buschbeck (Königsteiner LV, 1:46,33 Minuten) und Hannes Fahl (Athletics Team Karben, 1:46,85 Minuten). Über 1.500 Meter reist Marc Tortell (Athletics Team Karben) mit einer Bestzeit von 3:33,76 Minuten an, über 5.000 Meter ist Tristan Kaufhold (SSC Hanau-Rodenbach) mit 13:48,42 Minuten der schnellste Hesse.

Über 110 Meter Hürden führt Aaron Giurgian (Sprintteam Wetzlar) mit 14,01 Sekunden das hessische Teilnehmerfeld an.

Über 400 Meter Hürden ragt Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV) heraus. Mit 48,36 Sekunden hat er die EM-Norm bereits deutlich unterboten und zählt zu den aussichtsreichsten Medaillenkandidaten.

Besonders eindrucksvoll präsentiert sich Hessen in den Wurfdisziplinen – allen voran im Hammerwurf. Merlin Hummel (Eintracht Frankfurt) reist mit einer Meldeleistung von 81,27 Metern als Deutschlands Nummer eins nach Bochum. Der 24-Jährige gewann bei den Weltmeisterschaften 2025 in Tokio mit 82,77 Metern die Silbermedaille und war der erste deutsche Hammerwerfer seit 18 Jahren, der die 80-Meter-Marke übertraf. Nach seinem Wechsel von der LG Stadtwerke München zur Eintracht Frankfurt startet er nun erstmals als Hesse bei einer Deutschen Meisterschaft. Die EM-Norm hat er längst deutlich übertroffen – in Bochum geht es für ihn vor allem um den nationalen Titel.

Mit Sören Klose (Eintracht Frankfurt, 76,15 m) gehört ein weiterer nationaler Spitzenwerfer zum Frankfurter Aufgebot. Nach einer längeren Verletzungspause arbeitet sich der zweimalige Deutsche Meister (2023, 2024) wieder an seine frühere Form heran. Ergänzt wird das starke hessische Feld durch Tim Steinfurth (LG Eppstein-Kelkheim, 69,88 m) und Kai Hurych (KSV Fürth 09, 66,31 m). Damit stellt Hessen gleich vier leistungsstarke Hammerwerfer im Männerfeld.

Im Diskuswurf zählt Marius Karges (Eintracht Frankfurt) zu den größten hessischen Medaillenhoffnungen. Seine persönliche Bestleistung von 69,47 Metern erzielte er in diesem Jahr bei einem Wettkampf in Oklahoma (USA) und erfüllte damit souverän die EM-Direktnorm. Bei den Deutschen Meisterschaften geht es für ihn nun darum, sich mit einer starken Leistung das Ticket für Birmingham endgültig zu sichern. 

Im Hochsprung geht Jacob Thomä (Eintracht Frankfurt) mit einer Meldeleistung von 2,20 Metern an den Start. Der Nachwuchsathlet wurde bereits Deutscher Meister der U20 und U23 und gehört in diesem Sommer außerdem zum deutschen Aufgebot für die U20-Weltmeisterschaften in Eugene (USA). Die Deutschen Meisterschaften bieten ihm damit die Gelegenheit, sich auch im Männerbereich mit der nationalen Spitze zu messen.

Weitere aussichtsreiche hessische Starter sind Julian Holuschek (Eintracht Frankfurt, Weitsprung, 7,71 Meter), sowie Simon Schmitt (Frankfurt Athletics, Speerwurf, 73,22 Meter).

 

Auch die Staffeln sind vertreten

Neben den Einzelwettbewerben ist Hessen auch in den 4x100-Meter-Staffeln vertreten. Bei den Männern gehen drei Staffeln an den Start. Die schnellste Meldeleistung bringt der TSV 1885 Friedberg-Fauerbach mit 40,67 Sekunden mit, hinzu kommen zwei Quartette der Eintracht Frankfurt (42,07 und 42,13 Sekunden). Im Frauenfeld ist Eintracht Frankfurt ebenfalls mit zwei Staffeln vertreten (46,33 und 47,04 Sekunden). Beide Wettbewerbe versprechen ein dichtes Teilnehmerfeld und spannende Entscheidungen.

 

Hier geht es zu allen Informationen rund um die DM in Bochum.

 

Stabhochsprung in Hannover: Drei Hess:innen bei den „Finals 2026"

Während der Großteil des hessischen Aufgebots in Bochum-Wattenscheid an den Start geht, wird der Stabhochsprung getrennt ausgetragen: Bereits am 23./24. Juli, einen Tag vor Beginn der DM in Bochum, werden die Deutschen Meisterschaften im Stabhochsprung auf dem Opernplatz in Hannover im Rahmen der „Finals 2026" ermittelt. 

Mit Amadeus Gräber (Eintracht Frankfurt) geht dort ein Athlet an den Start, der bereits die EM-Norm im Zehnkampf erfüllt hat. Der Stabhochsprung zählt zu seinen stärksten Einzeldisziplinen. Ebenfalls für Eintracht Frankfurt startet Sarah Franziska Vogel, die sich mit einer guten Leistung Chancen auf eine Platzierung im Vorderfeld ausrechnen darf. Komplettiert wird das hessische Trio durch Vereinskamerad Jacob Geiß, der die besondere Bühne nutzen möchte, um sich im nationalen Spitzenfeld zu behaupten.

Hier geht es zu allen Informationen rund um die Stabhochsprung DM.

 

Auf dem Weg nach Birmingham: 13 hessische Direktnormen

Mit Blick auf die Europameisterschaften vom 10. bis 16. August in Birmingham reisen zahlreiche Hessinnen und Hessen bereits mit erfüllter Direktnorm zu den Deutschen Meisterschaften. Wie entscheidend die DM für die endgültige Nominierung ist, hängt dabei von der jeweiligen Disziplin ab: Wer die EM-Norm bereits in dieser Saison (2026) erfüllt hat, sichert sich mit Platz eins oder zwei bei der DM die vorrangige Nominierung. Gibt es in einer Disziplin insgesamt nicht mehr Normerfüller als zur Verfügung stehende Startplätze, reicht dagegen bereits die Teilnahme aus – in manchen Disziplinen ist der Kampf um das Ticket also deutlich enger als in anderen.

Eine Bestätigungsleistung ist für jene Athletinnen und Athleten gefordert, die die Direktnorm bereits in der Vorsaison 2025 erzielt hatten. Athletinnen und Athleten können aber auch die Direktnorm bei den Deutschen Meisterschaften erstmals erfüllen und sich so für eine Nominierung empfehlen.

Diese 13 hessischen Athletinnen und Athleten haben die EM-Direktnorm bereits erfüllt:

Athlet:in Verein Disziplin Saisonbestleistung EM-Norm
Leia Braunagel Eintracht Frankfurt Diskuswurf 64,96 m 61,00 m
Eileen Demes TV 1861 Neu-Isenburg 400 m Hürden 54,91 sec 55,30 sec
Owe Fischer-Breiholz Königsteiner LV 400 m Hürden 48,36 sec 49,00 sec
Johannes Frenzl Eintracht Frankfurt Gehen Marathon 3:10:09 h 3:11:00 h
Amadeus Gräber Eintracht Frankfurt Zehnkampf 8.345 Pkt. 8.300 Pkt.
Vanessa Grimm Königsteiner LV Siebenkampf 6.381 Pkt. 6.320 Pkt.
Rebekka Haase Sprintteam Wetzlar 100 m 11,04 sec 11,18 sec
Merlin Hummel Eintracht Frankfurt Hammerwurf 81,27 m 77,50 m
Chelsea Kadiri Sprintteam Wetzlar 100 m 11,17 sec 11,18 sec
Marius Karges Eintracht Frankfurt Diskuswurf 69,47 m 65,50 m
Smilla Kolbe Eintracht Frankfurt 800 m 1:58,99 sec 1:59,80 sec
Aileen Kuhn Eintracht Frankfurt Hammerwurf 72,11 m 71,50 m
Christopher Linke Eintracht Frankfurt Gehen Marathon 3:05:44 h 3:11:00 h

Die Geher Christopher Linke und Johannes Frenzl sind bereits offiziell für die Europameisterschaften nominiert. Für die Straßenwettbewerbe gilt ein eigener Nominierungszeitraum, sodass ihre Auswahl unabhängig von den Deutschen Meisterschaften feststeht. In den Stadion- und Mehrkampfdisziplinen hingegen fällt die endgültige Entscheidung erst im Anschluss an die Deutschen Meisterschaften und auf Grundlage der DLV-Nominierungskriterien.

Ergänzt wird das hessische EM-Kontingent durch Athletinnen und Athleten, die am Bundesstützpunkt Frankfurt trainieren, aber für Vereine anderer Landesverbände starten:

Emil Agyekum (SCC Berlin) erfüllte über 400 Meter Hürden die Norm deutlich, Sophia Junk (LG Rhein-Wied) qualifizierte sich über 200 Meter beim Meeting „Fast Arms Fast Legs" in Wetzlar, und Gesa-Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier) löste das Ticket über 3.000 Meter Hindernis. Ihre Erfolge verdeutlichen zugleich die überregionale Bedeutung des Bundesstützpunkts Frankfurt.

Hier geht es zu den Nominierungsrichtlinien.

 

Mit einem breit aufgestellten Team über nahezu alle Disziplinen hinweg reist der Hessische Leichtathletik-Verband selbstbewusst in die entscheidende Phase der Saison.

Mit 13 bereits erfüllten EM-Direktnormen aus hessischen Vereinen und drei weiteren Normerfüllungen von Athletinnen und Athleten, die am Bundesstützpunkt Frankfurt am Main trainieren, geht die Region mit einer starken Ausgangslage in die entscheidende Phase der Saison. Gleichzeitig bieten die Deutschen Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid und der ausgelagerte Stabhochsprung in Hannover zahlreichen weiteren Athletinnen und Athleten die Chance, sich mit einer erfüllten Direkt- oder Bestätigungsnorm für die Europameisterschaften in Birmingham zu empfehlen. 

Über die bereits normerfüllten Athletinnen und Athleten hinaus bereiten sich zahlreiche weitere deutsche Spitzenleichtathletinnen und -athleten am Bundesstützpunkt Frankfurt auf die Deutschen Meisterschaften vor. Der Stützpunkt zählt damit einmal mehr zu den zentralen Leistungszentren der deutschen Leichtathletik und bietet optimale Trainings- und Wettkampfbedingungen. Auch mit Blick auf die Europameisterschaften spielt Frankfurt eine wichtige Rolle: Das offizielle Pre-Camp der deutschen Sprint- und Hürdensprinter findet am Bundesstützpunkt Frankfurt statt. Dort werden sich unter anderem Hessens EM-Kandidaten – etwa Owe Fischer-Breiholz – gemeinsam mit weiteren DLV-Athletinnen und -Athleten auf Birmingham vorbereiten.

Die Hessische Leichtathletik blickt damit auf ein hochklassiges Meisterschaftswochenende mit zahlreichen Medaillen- und Titelchancen sowie der Aussicht auf weitere EM-Nominierungen. Wir wünschen allen Athletinnen und Athleten erfolgreiche Wettkämpfe, spannende Entscheidungen und vor allem eine verletzungsfreie Deutsche Meisterschaft.

 

 

ÖA